«Mein erster Eindruck von dieser Band war so kurz wie prägnant: Was für ein bescheuerter Name! Ich gebe zu, nicht eben qualifiziert und auch nicht unbedingt das, was man als relevant im Musiksektor bezeichnen würde, aber so war es eben. Ich bin mir bislang nicht mal sicher, wie man das jetzt eigentlich aussprechen soll, ob es eher deutsch, englisch oder irgendein obskurer schweizer Dialekt sein soll. Denn da kommen die beiden Köpfe hinter der Band, Henrik Iversen und Vasi Valis, nämlich her.
Ich stieß also irgendwann im deutschen VNV Nation-Forum auf Threads zu dieser Band, in denen mir die Geburt einer neuen Future-Pop-Hoffnung, des nächsten ganz großen Dings angekündigt wurde. Bei solchen Aussagen zu unbekannten Bands bin ich zunächst immer erst mal skeptisch, weil sich dahinter meistens irgendwelche persönlichen Seilschaften verbergen, wo Bekannte und Freunde versuchen, ihren Kumpels einen Gefallen zu tun und sie zu pushen. Aber wie es sich auch immer verhielt, der Name hatte sich jedenfalls irgendwann bei mir festgesetzt, denn bescheuert hin oder her, er ist eben markant.
Das Debütalbum erschien am 14.07.2003. Und bereits einen Monat später lief ich im Fanshirt durch die Gegend. Das ist die Kurzform dessen, wie Namnambulu mich mit diesem Debüt beeindruckt haben. Ich habe im Laden reingehört, mich sofort in die Songs verliebt und später festgestellt, dass ich hier ein perfektes Album in den Händen halte. Perfekt in dem Sinne, dass ich jeden einzelnen Track hören kann ohne ihn wegskippen zu müssen. Das kommt leider nur noch bei sehr wenigen Alben heutzutage vor. Um mein Fazit vorweg zu nehmen: "Distances" ist für mich ganz klar das Albumhighlight 2003 (wenn man mal das Alphaville-Album "Crazyshow" beiseite lässt, wo der Vergleich aber hinkt, denn "Crazyshow" ist eine opulente Box, kein Debütalbum).
Die Songs sind einfach frisch und das in einem Genre, das man eigentlich schon für ausgelutscht halten konnte. Future Pop ist auf dem absteigenden Ast, seit selbst die Branchengrößen wie Apoptygma Berzerk oder VNV Nation nicht mehr die breiten Massen begeistern können. Neu erfinden ihn auch Namnambulu nicht, aber die Songs besitzen ihre eigene Identität, sind durchgängig tanzbar (bis auf die Ballade Apart) und besitzen vor allem ein Gespür für mitreißende Hooklines, das man wohl nicht antrainieren kann. Es braucht nur wenige Durchläufe, bis man Stücke wie "Memories", "Now Or Never" und "Guardian Angel" mitsingen kann. Dazu kommt die markante und charismatische Gesangsstimme, die an Alexander Veljanov von den Lakaien gemahnt.
Die Highlights sind für mich "Guardian Angel", das sich langsam aufbaut und dann geradezu explodiert, und "Deception", das einen tollen Text mit einem sehr guten Songaufbau verbindet. Manchen Stücken wie "Beaten" hört man an, dass die beiden die Regeln des Genres verstanden haben, hier könnte auch VNV-Frontmann Ronan Harris Hand angelegt haben. Der Break in der Mitte des Stücks wirkt seltsam vertraut.
Vor allem aber wird die CD auch nach sehr häufigem Hören nicht langweilig und das haben Namnambulu vielen anderen Bands aus der zweiten Generation des Future Pop voraus. Um noch mal auf die Zeit zurück zu kommen: Die CD ist jetzt seit ich sie gekauft habe in meinem CD-Wechsler im Auto zu finden und das ist für mich eine sehr, sehr lange Zeit. Und ich glaube irgendwie auch nicht, dass sie sich so schnell dort verabschieden wird. Deswegen bin ich bislang auch noch nicht dazu gekommen, mal die genaue Spielzeit oben in den Kopf einzutragen...
Mit Namnambulu habe ich eine echte Perle für mich entdecken können, weil die Neugierde gesiegt hat. Perfektes Album, toller Sound, gute Texte, schlichtes aber passendes Artwork: Ein würdiges Album des Jahres 2003. Ich freue mich auf die Dinge, die da noch aus der Schweiz kommen werden und bin überzeugt, dass man von diesen Jungs noch hören wird!
Anspieltipps
Beaten, Now Or Never, Guardian Angel, Deception
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